Neujahrsempfang der IG BCE in Ludwigsburg

Für „Gute Arbeit“ ohne Ausnahmen

„Gute Arbeit nur für einige, das ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar“: Mit klaren Worten äußerte sich Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) beim 5. Neujahrsempfang des Landesbezirks Baden-Württemberg und des Bezirks Stuttgart. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Gute Arbeit ohne Ausfahrt“. Die Industriegewerkschaft positionierte sich damit inmitten der aktuellen politischen Diskussionen um mögliche Ausnahmen beim Mindestlohn für Flüchtlinge, der von einigen Arbeitgebern geforderten Aufhebung des regulären Acht-Stunden-Tages und dem noch immer möglichen Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. 

Thomas Kienzle/IG BCE

Neujahrsempfang 2016 Catharina Clay, Landesbezirksleiterin  Baden-Württemberg

Catharina Clay, Leiterin des IG-BCE-Landesbezirks Baden-Württemberg, forderte die Politik dazu auf, „den Betriebsräten endlich die Mitbestimmung bei Leiharbeit und Werkverträgen zu ermöglichen.“ Der Anteil der atypisch Beschäftigten sei mit 21 Prozent (2014) schon jetzt deutlich zu hoch (1994: 14 Prozent; Quelle: Destatis). Gegenüber 2004 hat sich die Zahl der Leiharbeitnehmer bereits mehr als verdoppelt (Quelle: Bundesagentur für Arbeit). „Das widerspricht dem gewerkschaftlichen Verständnis von Guter Arbeit und einer humanen Arbeitswelt. Da brauchen wir endlich klare gesetzliche Regelungen, um den Missbrauch einzudämmen“, so Clay vor rund 100 Gästen.

Bezirksleiter Andreas Klose: „Brauchen eine an die Produktivität gekoppelte Maschinensteuer“

Andreas Klose, Leiter des IG-BCE-Bezirks Stuttgart, warnte davor, dass die vierte industrielle Revolution das deutsche Steuer-, Sozialpartnerschafts- und Sozialversicherungssystem aushöhlen könnte. „Wenn Cloud- und Crowdworking digitale Tagelöhner schafft, stehlen sich die Arbeitgeber aus ihrer Verantwortung. Deshalb müssen wir über eine an die Produktivität gekoppelte Maschinensteuer sprechen, mit der wir das gelebte und verlässliche deutsche Sozialpartner- wie Sozialversicherungs-system weiterentwickeln. Industrie 4.0 muss in Arbeiten 4.0 münden“, so Kloses Forderung. „Gleichzeitig sind neue Grundsätze für die Mitbestimmung nötig. Und Lösungen dafür, dass Arbeitnehmer auch künftig zwischen Arbeitszeit und Freizeit wasserdicht unterscheiden können“.

Gastredner Stefan Körzell, Mitglied des geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes, ergänzte: „Gute Arbeit muss für alle gelten. Dort, wo sich Unternehmen Tarifverträgen verweigern, haben wir seit einem Jahr als Anstandsgrenze den gesetzlichen Mindestlohn. Er wirkt und darf nicht durch weitere Ausnahmen, auch nicht für Flüchtlinge, verwässert werden.“

Weiteres Thema beim Neujahrsempfang war die bevorstehende Tarifrunde für die rund 75.000 Beschäftigten in der Chemischen Industrie Baden-Württemberg. Der aktuell gültige Tarifvertrag hat noch eine Laufzeit bis zum 31.08.2016. Im derzeit stattfindenden Diskussionsprozess der Mitglieder zeichnet sich ab, dass 2016 die Entgeltfrage in den Mittelpunkt der Verhandlungen rücken wird.

Für Rückfragen: Frank Heßler, Stellvertretender Landesbezirksleiter 0151 11346972
Andreas Klose, Leiter des Bezirks Stuttgart 0151 11347000

Über die IG BCE
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ist mit mehr als 650.000 Mitgliedern die drittgrößte Gewerkschaft im Deutschen Gewerk-schaftsbund.
Zum Organisationsbereich gehören die Branchen Bergbau, Chemie, Energie, Erdöl und Erdgas, Glas, Kautschuk, Keramik, Kunststoffe und nichtmetallische Werkstoffe, Leder, Papier, Umwelt, Wasser sowie Ver- und Entsorgungsbetriebe. Vorsitzender seit 2009 ist Michael Vassiliadis. Hervorgegangen ist die IG BCE 1997 aus einer Fusion der IG Chemie-Papier-Keramik, der IG Bergbau und Energie und der Gewerkschaft Leder. www.igbce.de, www.facebook.com/igbce

Über den Landesbezirk Baden-Württemberg der IG BCE
Die IG BCE Baden-Württemberg vertritt die Interessen ihrer rund 50.000 Mitglieder (davon ca. 4.500 Jugendliche) in den o. g. Branchen.
Der Landesbezirk ist unterteilt in fünf Bezirke (Freiburg, Ulm, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart), die Mitglieder und Betriebsräte beraten und unterstützen.


Sitz der Landesbezirksleitung ist Stuttgart. http://baden-wuerttemberg.igbce.de

Über den IG-BCE-Bezirk Stuttgart:
Der mehr als 10.000 Mitglieder zählende Bezirk Stuttgart erstreckt sich über rund 250 Kilometer, von Wertheim im Norden bis nach Rottweil im Süden. Er umfasst wichtige industrielle Ballungszentren wie den Raum Stuttgart und die Region Heilbronn-Franken. Die knapp 200 unterstützten Betriebe finden sich schwerpunktmäßig in den Branchen Chemie, Kunststoff und Papier. Auch Feinkeramik, Glas, Leder und Bergbau sind vertreten. Die Industrie der Region ist vom Automobilbau geprägt. Branchenübergreifend tätige Automobilzulieferer spielen daher eine ebenso wichtige Rolle in der gewerkschaftlichen Arbeit. http://stuttgart.igbce.de
 

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