Zeitenwende: Schuhindustrie gibt sich erstmalig einheitlichen Flächentarifvertrag

Für mehr Gerechtigkeit

Erstmals werden kaufmännische und gewerbliche Berufe in einer Entgelttabelle zusammengefasst. Die Bezahlung richtet sich nach der jeweilig auszuführenden oder überwiegend auszuführenden Tätigkeit, die gestaffelt ist nach Berufserfahrung. Kern der Eingruppierung und Basis des Einkommens ist die Qualifikationsgrundlage. Das ist die größte Neuerung des neuen Entgeltrahmenvertrags für die Schuhindustrie. Darauf haben sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach langen Verhandlungen im September in Berlin geeinigt.

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Mitarbeiter in der Schuhproduktion bei Lloyd Shoes. Mitarbeiter in der Schuhproduktion bei Lloyd Shoes.
18.10.2018
  • Von: Julia Osterwald

„Für uns ist das eine wirklich wichtige Neuerung“, sagt Rolf Nemack, Betriebsratsvorsitzender bei der Kennel & Schmenger Schuhfabrik GmbH in Pirmasens und Mitglied der Tarifkommission. „Sie ist gerechter und ermöglicht ein feineres Raster. Die Bezahlung nach Lohngruppen war nach mehr als 30 Jahren überfällig und musste endlich weg.“ Auch Frieder Weißenborn, Bundestarifsekretär Lederindustrie bei der IG BCE und Verhandlungsführer, sieht gerade die neue Eingruppierung als bedeutende Errungenschaft einer Branche, die Nachholbedarf hatte: „Man kann durchaus von einer Zeitenwende in der Schuhindustrie sprechen. Als einer der traditionellsten Branchen erkennt sie endlich die berufliche Qualifikation, aber auch Erfahrung und Kenntnisse als Basis für Eingruppierung und Entlohnung an.“

Und das, trotz struktureller Schwächen. Aber, so hofft Rolf Nemack, „der neue Vertrag kann ein Ansporn für Nicht-Mitglieder sein, in die IG BCE einzutreten“ und auch Bundestarifsekretär Weißenborn ist sich sicher: „Wir haben jetzt gute Argumente für unsere gute Arbeit und dafür, unsere Basis in der Belegschaft zu erhöhen.“ Auch die Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten mit IG-BCE-Mandat und IG BCE werde das neue Tarifsystem verstärken.

Der Entgeltrahmentarifvertrag gilt seit dem 1. Oktober 2018, die neue Entgelttabelle ab 1. Dezember 2018 (für Auszubildende seit dem 1. Oktober 2018). Bis spätestens 30. Juni 2019 sollen die neuen Lohngruppen in den Betrieben eingeführt sein. Die Wochenarbeitszeit bleibt bei 39 Stunden. Spätestens zum 1. April 2019 gibt es neue Tarifverhandlungen.

Zwei Jahre lang hatten sich die Verhandlungen hingezogen. „Die Leute waren inzwischen ungeduldig“, sagt Nemack. Aber das Warten hat sich gelohnt. „Mit diesem Ergebnis können wir mehr als zufrieden sein.“

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