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18.01.2019

Von: Norbert Glaser

Tarifkommission Feinkeramik stimmt sich auf anstehende Tarifrunde ein

Gemeinsamer Entgeltvertrag überfällig

Tarifverhandlungen für die Feinkeramische Industrie (FKI) stellen die IG BCE stets vor besondere Herausforderungen: Die Branche ist ausgesprochen vielfältig strukturiert. Sie produziert High-Tech-Produkte ebenso wie traditionelle Ware. Bei einem Treffen in Künzell bei Fulda stimmten sich jetzt die Mitglieder der Tarifkommission FKI auf die Tarifrunde 2019 ein.

Tarifrunde Feinkeramik 2019 In Künzell stimmten sich die Mitglieder der Tarifkommission der Feinkeramischen Industrie auf die Tarifrunde 2019 ein.

So verschieden wie die jeweils produzierten Waren, so unterschiedlich ist auch die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben. „Bei uns sieht es ganz hervorragend aus“, sagt Uwe Dutkiewicz von Vishay Electronic in Selb. „2018 war für uns ein Rekordjahr. Und auch für 2019 sind die Auftragsbücher voll. Unsere Produkte sind überall integriert, wo Strom fließt“, betont er. „Viele haben momentan 40 bis 50 Wochen Lieferzeit.“ Dutkiewicz fände es schön, wenn sich die guten Zahlen in Form höherer Löhne und Gehälter abbilden würden.

Ganz anders stellt sich die Situation für Nils Hoffmann von der Porzellan-Manufaktur Meissen dar. „Bei uns wird noch handwerklich-künstlerisch gearbeitet. Daher sind die Lohnkosten bei uns sehr hoch.“ Seit 1990 wurde die Belegschaft von etwa 2.000 auf 660 Beschäftigte abgeschmolzen. Eine Anpassung des Urlaubsgeldes und die längst überfällige Ost-West-Angleichung der Einkommen stehen bei ihm ganz oben auf der Forderungsliste.

Marianne Wopperer von Rosenthal in Speichersdorf stimmt Hoffmann zu und ergänzt: „Für uns arbeiten bekannte Designer. Aber immer weniger kaufen sich heute noch ein hochwertiges 24-teiliges Service. Gleichzeitig wird der Markt mit billigem Geschirr aus Asien überschwemmt. Das macht uns zu schaffen.“ Sie sieht vor allem Nachholbedarf bei den niedrigen Lohngruppen: „Die Schere klafft hier immer weiter auseinander.“

Die Situation der drei Betriebe ist typisch für die FKI: „Zum einen finden sich dort hochdynamische innovative Bereiche wie die Technische Keramik. Auf der anderen Seite gibt es traditionelle Sektoren wie die Porzellanindustrie, die erheblich unter Massenware und veränderten Konsumbedürfnissen leidet“, so IG-BCE-Fachsekretär Peter Schuld. Bei Tarifverhandlungen müsse die Gewerkschaft jedes Mal einen Spagat hinlegen, um die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen zu berücksichtigen.

Für Ralf Sikorski ist deshalb klar: „Langfristig besteht eines unser wesentlichen Ziele darin, den Flächentarifverbund der feinkeramischen Industrie zusammenzuhalten“, betont das Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE, zuständig für Tarifpolitik und Industriegruppen.

„In Künzell besprechen wir die ersten Eckpunkte für die Tarifrunde 2019“, sagt Hans-Joachim Gerloff, IG-BCE-Verhandlungsführer für die FKI. Er sitzt seit 2011 mit am Verhandlungstisch. Für ihn zeichnet sich neben mehr Lohn und Gehalt ein höheres Urlaubsgeld als mögliche Forderung für die nächste Tarifrunde ab. Das Urlaubsgeld wurde seit der Umstellung von DM auf Euro nicht verändert.

Dietmar Langenfeld, Betriebsratsvorsitzender bei Villeroy & Boch in Mettlach, liegt besonders die gemeinsame Entgeltordnung am Herzen. „Vielleicht können wir diesmal den Knoten durchschlagen“, hofft das ehrenamtliche Mitglied des Hauptvorstands. „Lohn und Gehalt klaffen bei uns im Betrieb bis zu 450 Euro auseinander. Das passt nicht mehr in die heutige Zeit. Und es ärgert die Handwerker. Sie haben oft eine längere Ausbildung hinter sich als die Angestellten.“ Da gehen viele lieber gleich in die Stahl- und Automobilindustrie.

Einen Bonus für Gewerkschaftsmitglieder fände Heidi Janka von Haldenwanger in Waldkraiburg gut: „Es muss einen Unterschied machen, ob man in der Gewerkschaft ist oder nicht.“ Auf die Forderung vieler Gewerkschaftsmitglieder ging auch Francesco Grioli vom geschäftsführenden Hauptvorstand in Künzell ein: „Die, die etwas dafür tun, das dieses (Tarif-)System funktioniert, dürfen am Ende nicht die Dummen sein, die dafür auch noch bezahlen.“ Gleichzeitig betonte er, welche Chancen stets in Tarifverhandlungen liegen.

Das sieht auch Verhandlungsführer Gerloff so: „Ziel einer Tarifrunde kann nicht nur sein, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Vor und während einer Tarifrunde ist die Situation auch immer besonders günstig, um neue Mitglieder zu gewinnen. Dann können wir noch stärker in die nächste Tarifrunde gehen.“ Ende Mai will die Tarifkommission ihre Forderungen beschließen. Erste Gespräche mit der Unternehmerseite stehen im Juni an.